Grenzüberschreitende Partnerschaft mit Leben erfüllt: Delegation des NÖ Teichwirteverbandes zu Gast im „Land der 1000 Teiche“

Wie sieht die Zukunft der traditionellen Teichwirtschaft aus? Antworten darauf suchten niederösterreichische Teichwirtinnen und Teichwirte bei einer viertägigen Fachexkursion in den Landkreis Tirschenreuth in Bayern – das „Land der 1000 Teiche“. Die Reise zeigte eindrucksvoll, wie viel beide Regionen voneinander lernen können.

Die im Vorjahr besiegelte Partnerschaft zwischen der Waldviertler Karpfenteichwirtschaft und dem Oberpfälzer Teichwirtschaftsgebiet Tirschenreuth wurde mit Leben erfüllt: Ende Juni reiste eine Delegation des NÖ Teichwirteverbandes gemeinsam mit den Produkthoheiten – NÖ Karpfenkönigin Michaela I. und NÖ Karpfenprinzessin Theresa I. – zur Fachexkursion in die Oberpfalz. Ziel war das „Land der 1000 Teiche“, eine der bedeutendsten Teichwirtschaftsregionen Deutschlands. Beide Regionen – das Waldviertel und Tirschenreuth – zählen zu den führenden Karpfenteichlandschaften Mitteleuropas. 

Mit Marlies Haas und Daniel Hörner nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter des Teichwirte- und Fischzüchterverbandes Steiermark an der Fachexkursion teil. Dadurch wurde die vom Ländlichen Fortbildungsinstitut Niederösterreich (LFI NÖ) organisierte und im Rahmen des Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds (EMFAF 2021–2027) geförderte Bildungsreise zu einem länderübergreifenden Netzwerktreffen der Teichwirtschaft aus Bayern, Niederösterreich und der Steiermark. 

Vier Tage lang erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer exklusive Einblicke in die innovativsten Teichwirtschaftsbetriebe Bayerns. Dabei standen nicht nur moderne Betriebsmodelle und Vermarktungsstrategien im Mittelpunkt, sondern auch der persönliche Austausch mit Berufskollegen. Begleitet wurde die Exkursion vom langjährigen Teichwirt und Fachexperten Hans Klupp, der als hervorragender Kenner der Teichwirtschaft vor Ort mit umfangreichem historischem Wissen durch die Exkursion führte. 

Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch der Himmelsleiter in der Waldnaabaue. Die Himmelsleiter steht dabei symbolisch für die enge Verbindung zwischen dem landwirtschaftlichen Weltkulturerbe der Waldviertler Karpfenteichwirtschaft und dem immateriellen Kulturerbe der bayerischen Teichwirtschaft – denn einen Aussichtspunkt mit diesem Namen gibt es in beiden Regionen. Verbunden sind das Waldviertel und Tirschenreuth auch über das europäische Kulturerbe. Das Stift Zwettl und das Kloster Waldsassen gehören beide zum Cisterscapes-Netzwerk, das mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet wurde. Beide Regionen pflegen also schon seit Jahrhunderten einen regen Austausch. Heute sind die Herausforderungen in der Teichwirtschaft nahezu dieselben. Umso wertvoller ist die Partnerschaft, um gemeinsam Lösungen zu finden. Themen wie die Vermarktung regionaler Fischprodukte, das Management fischfressender Prädatoren wie Fischotter und Kormoran sowie der Erhalt und die wirtschaftliche Zukunft der traditionellen Teichlandschaften beschäftigen beide Regionen gleichermaßen.

Großen Eindruck hinterließ auch das Kormoranmanagement im Landkreis Tirschenreuth. Mit Jacob Keller beschäftigt der Landkreis einen hauptamtlichen Ranger, der als Bindeglied zwischen Naturschutz, Behörden und Teichwirtschaft fungiert. Neben Beratung und Präventionsmaßnahmen gehören auch die praktische Vergrämung und – sofern erforderlich und rechtlich zulässig – die Entnahme von Kormoranen zu seinen Aufgaben. Dieses professionelle Management trägt dazu bei, Konflikte rasch zu lösen und gleichzeitig den Schutz wertvoller Natur- und Teichlandschaften sicherzustellen. Aus Sicht der niederösterreichischen Delegation wäre ein vergleichbares Modell auch für Niederösterreich eine prüfenswerte Option, um das Management geschützter Prädatoren zu professionalisieren und die Teichwirtschaft langfristig zu sichern.

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der renommierten Fischzucht Stier in Bärnau. Alfred und Josef Stier präsentierten ihren innovativen und breit aufgestellten Familienbetrieb. Neben einer modernen Indoor-Aquakultur für Zander und Garnelen setzt der Betrieb auf die Aufzucht von Insekten als nachhaltiges Fischfutter sowie auf Karpfenteichwirtschaft, Forellenzucht, Fischverarbeitung und Direktvermarktung. Im Anschluss luden die Familie Stier und die „ARGE FISCH“ bei der Fischzucht Wendermühle zu einem Netzwerkabend ein. Die Waldviertler Delegation wurde von zahlreichen Persönlichkeiten der bayerischen Teichwirtschaft, Politik und Fachorganisationen herzlich empfangen. Landrat Hubert Schicker begrüßte die grenzüberschreitende Partnerschaft ausdrücklich und sprach sich für deren weitere Vertiefung aus. Die große Gastfreundschaft und der offene Austausch machten deutlich, wie lebendig die partnerschaftliche Zusammenarbeit gelebt wird.

NÖ Teichwirteverband Obmann Ferdinand Trauttmansdorff und Geschäftsführer Leo Kirchmaier sind sich beim Netzwertreffen einig. Die Partnerschaft mit Tirschenreuth lebt vom persönlichen Kontakt. Durch den regelmäßigen Austausch können wir voneinander lernen und die Zukunft der traditionellen Teichwirtschaft nachhaltig stärken.

Das geschichtliche Rahmenprogramm der Exkursion begann mit einer Führung durch die weltberühmte Stiftsbibliothek des Klosters Waldsassen. Im MuseumsQuartier Tirschenreuth begrüßte Bürgermeister Hans-Peter Schärl die Delegation persönlich. Das Fischereimuseum vermittelt auf drei Stockwerken die Geschichte der Oberpfälzer Teichwirtschaft. Gleich gegenüber bietet das „Haus am Teich“ mit seinen Großaquarien spannende Einblicke in die heimische Fischwelt. 

Einen kreativen Zugang zur Teichwirtschaft bietet der Phantastische Karpfenweg in Kemnath. Künstlerin Susanne Vonhoff erläuterte zusammen mit Hans Klupp die Idee hinter den farbenfrohen Karpfenskulpturen, die gemeinsam mit der Bevölkerung gestaltet wurden und heute die Identität der Teichregion sichtbar machen. Abgerundet wird das Konzept durch einen thematisch gestalteten Spielplatz mit Karpfen-Klettergerüst und Rutsche, der die Teichwirtschaft auch für Kinder erlebbar macht. 

Die Exkursion führte zu einer Vielzahl unterschiedlicher Betriebe, die auf ihre eigene Weise zeigten, wie sich Tradition, Innovation und Unternehmergeist erfolgreich verbinden lassen. Am Fischhof Bächer wurde deutlich, dass Teichwirtschaft echte Familiensache ist: Drei Generationen – Großmutter Else, Mutter Manuela, Vater Klaus und Tochter LenaBächer – arbeiten gemeinsam am Betrieb. Lena demonstrierte den gekonnten Umgang mit dem traditionellen Wurfnetz, während der hofeigene Gastronomiebetrieb zeigt, wie regionale Wertschöpfung direkt am Betrieb gelingen kann. Kulinarisch wurden die teilnehmenden Personen mit Backfisch aus heimischen Fischarten auf frischem Blattsalat verwöhnt. Bei der Wanderung durch die Muckenthaler Teichpfanne wurde sichtbar, welch bedeutenden Beitrag die jahrhundertealte Karpfenteichwirtschaft zum Erhalt wertvoller Lebensräume und der Artenvielfalt leistet. 

Die Fischzucht Maierhöfer setzt mit ihrer Fischverarbeitung und Vermarktung – etwa durch einen Fisch-Drive-in – neue Akzente. Am Fischereibetrieb Stock beeindruckte der große Tüftlergeist: Zahlreiche Maschinen und Arbeitsgeräte entstehen in Eigenregie und werden laufend an die Anforderungen der Praxis angepasst. Der Räucherfisch, der im Rahmen der Betriebsbesichtigung verkostet wurde, sorgte für Begeisterung. Auch die Fischzucht Veigl entwickelt viele technische Lösungen selbst. Besonders der eigens konstruierte Abfischkran erleichtert die Arbeit, verbessert die Arbeitssicherheit und trägt gleichzeitig zu einem schonenderen Umgang mit den Fischen bei. Kulinarisch begeisterte der Betrieb mit einer Verkostung von Forelle nach Matjes-Art und Graved Lachsforelle.

Der teichwirtschaftliche Beispielsbetrieb Wöllershof, ein staatlicher Lehrbetrieb, bot Einblicke in die Aufzucht gefährdeter Fischarten, wie den Frauennerfling und in die Störfischzucht. Vor Ort begrüßte Bezirksrat Roland Grillmeier die Delegation. Er unterstrich die Bedeutung des regelmäßigen Erfahrungsaustausches und sicherte seine Unterstützung für eine langfristige und enge Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis Tirschenreuth und dem Waldviertel zu.

Den Abschluss der Exkursion bildete das Teichgut Mulzer, wo Marco Mulzer zeigte, wie sich hochwertige Fischveredelung, regionale Fischküche und Direktvermarktung in einem Hofladen mit Imbiss erfolgreich miteinander verbinden lassen. Das Fischbuffet mit einer beeindruckenden Vielfalt an regionalen Fischspezialitäten bildete einen genussvollen Abschluss der Exkursion.

Mit neuen, wertvollen Kontakten und zahlreichen Ideen für die Weiterentwicklung der heimischen Teichwirtschaft traten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schließlich die Heimreise nach Österreich an.

Impressionen der Fachexkursion in Tirschenreuth

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Besichtigung Muckenthaler Teichpfanne

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Besichtigung Muckenthaler Teichpfanne

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Abhof Laden Teichgut Mulzer

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Beispielbetrieb Wöllershof - Nachzucht von Albino Sterlet

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Beispielbetrieb Wöllershof

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Beispielbetrieb Wöllershof

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Fischzucht Maierhöfer

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Himmelsleiter und Naturschutzgebiet Waldnaabaue

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Abhof-Laden Teichgut Mulzer

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Abhof-Laden Teigut Mulzer

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Besichtigung Fischhof Bächer mit Lena Bächer

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Besichtigung Fischzucht Veigl

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Besichtigung Fischzucht Veigl

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Besichtigung Fischzucht Veigl

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Besichtigung Fischzucht Veigl

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Muckenthaler Teichpfanne

© Melanie Hauslauer/LK NÖ

Teichwirtschaftlicher Beispielsbetrieb Wöllershof

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Teichwirtschaftlicher Beispielsbetrieb Wöllershof

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Fischhof Bächer - Fettmessgerät

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Fischereimuseum Tirschenreuth

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Fischhof Bächer

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Fischhof Bächer

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Fischhof Bächer

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Mittagessen beim Fischhof Bächer

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Wurfnetz - Fischhof Bächer

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Fischhof Bächer

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Fischzucht Familie Stock

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Fischzucht Familie Stock

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Räucherfisch - Fischzucht Familie Stock

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Fischzucht Maierhöfer

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Führung im Fischereimuseum Tirschenreuth

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Haus am Teich in Tirschenreuth

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Himmelsleiter und Naturschutzgebiet Waldnaabaue

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Himmelsleiter und Naturschutzgebiet Waldnaabaue

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Himmelsleiter und Naturschutzgebiet Waldnaabaue

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Himmelsleiter und Naturschutzgebiet Waldnaabaue

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Fischereimuseum mit Bürgermeister Hans-Peter Schärl von Tirschenreuth

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Tirschenreuth

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Tirschenreuth

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Tirschenreuth

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Kloster Waldsassen

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Leo Kirchmaier und Landrat Hubert Schicker

© NÖ Teichwirteverband

Netzwerktreffen bei der Fischzucht Stier

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Obmann Trauttmansdorff mit Hans Klupp

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Phantastischer Karpfenweg in Kemnath

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Phantastischer Karpfenweg in Kemnath

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Phantastischer Karpfenweg in Kemnath mit Susanne Vonhoff

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Teichdurchlass Naturschutzgebiet Waldnaabaue

© Melanie Haslauer/LK NÖ

Teichlandschaft Tirschenreuth

© Melanie Haslauer/LK NÖ
52

Die Fachexkursion wurde im Rahmen des Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds (EMFAF) 2021–2027 unterstützt.