Teichwirtschaft im Besucherzentrum Zwettl
Eine Landschaft – zwei internationale Auszeichnungen
Ausgehend vom Europäischen Kulturerbe-Siegel (EKS) „Cisterscapes“ – welches die Zwettler Klosterlandschaften auszeichnet – wird im neuen Besucherzentrum die historische Entwicklung dieser Landschaften erlebbar. Eine besondere Rolle nimmt dabei die Teichwirtschaft ein. Die Zisterzienser prägten mit der Anlage und Bewirtschaftung von Teichen die Landschaft entscheidend mit. Was vor Jahrhunderten geschaffen wurde, hat bis heute Bestand: Die Waldviertler Karpfenteichwirtschaft steht für eine lebendige, nachhaltige und regionale Bewirtschaftung und wurde von der Welternährungsorganisation FAO als landwirtschaftliches Weltkulturerbe (GIAHS – Globally Important Agricultural Heritage Systems) international anerkannt. Der Schwerpunkt der Ausstellung in Zwettl liegt deshalb auf der Karpfenteichwirtschaft.
Die beiden Auszeichnungen GIAHS und EKS blicken aus unterschiedlichen Perspektiven auf eine über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft, die durch die Arbeit der Teichwirt:innen bis heute besteht. Genau diese Verbindung stand im Mittelpunkt des Besuchs. Verbandsgeschäftsführer Leo Kirchmaier hob die gute Zusammenarbeit bei der Entwicklung der Ausstellung hervor: „Stadt und Stift Zwettl haben den Niederösterreichischen Teichwirteverband bei der Ausarbeitung der Ausstellungsinhalte zur Karpfenteichwirtschaft von Beginn an eingebunden. Danke, dass wir uns fachlich und inhaltlich einbringen durften, und herzliche Gratulation zu dieser großartigen Ausstellung – das Ergebnis kann sich sehen lassen!“
Stadtarchivarin Elisabeth Moll führte durch das Besucherzentrum und gab Einblicke in die jahrhundertelange Prägung der Waldviertler Landschaft durch die Zisterzienser. Das Interesse war groß, denn der Einladung folgten zahlreiche Vorstandsmitglieder des NÖ Teichwirteverbandes sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wissensvermittlung und Landwirtschaft. Mit dabei waren auch die Initiatorin des Treffens, NÖ Karpfenkönigin Michaela I., und die NÖ Karpfenprinzessin Theresa I., Dr. Christian Bauer und Elisabeth Peham von der Ökologischen Station Waldviertel (Bundesamt für Wasserwirtschaft), Kammersekretär Bernhard Löscher sowie Teichranger:innen
Hitzejahr zeigt Wert des Wasserrückhalts
Im Zuge des Treffens im Zwettler Besucherzentrum wurden auch aktuelle Themen diskutiert, beispielsweise die Bedeutung der jahrhundertealten Teichlandschaft im außergewöhnlichen Hitze- und Trockenjahr 2026. „Dieses Jahr hat deutlich gezeigt, welchen Wert unsere Teiche für den Wasserhaushalt haben. Sie halten seit Jahrhunderten wertvolles Oberflächenwasser in der Landschaft zurück. Unsere Teiche sind aber keine historischen Kulissen. Sie werden von unseren Teichwirtinnen und Teichwirten bewirtschaftet, produzieren hochwertige regionale Lebensmittel und erfüllen gleichzeitig wichtige Funktionen für Natur, Landschaft und eben den Wasserhaushalt. Wenn wir uns auf die Folgen des Klimawandels noch besser vorbereiten wollen, müssen aber auch der Bau neuer Teiche sowie die notwendigen Anpassungen bestehender Anlagen künftig schneller und unbürokratischer möglich werden“, fordert Obmann Ferdinand Trauttmansdorff.
Die Teiche können zudem auch bei extremen Niederschlägen eine wichtige Rolle spielen. „Beim Katastrophenhochwasser 2024 konnten allein die von uns bewirtschafteten Teiche mehrere hunderttausend Kubikmeter Wasser zurückhalten und damit einen wichtigen Beitrag zur Dämpfung der Hochwasserwelle leisten“, so Obmann-Stellvertreter Andreas Kainz von der Teichwirtschaft Kainz aus Waidhofen an der Thaya. Diese Leistungen wurden mittlerweile auch wissenschaftlich belegt und sind international anerkannt.
Zwei Auszeichnungen sind Chance für Region
Der Austausch machte deutlich, wie eng historisches Erbe und aktuelle Herausforderungen miteinander verbunden sind. Es herrschte Einigkeit: Die Waldviertler Karpfenteichwirtschaft stellt ein kulturelles und landwirtschaftliches Erbe von bisher vielfach unterschätztem Wert dar. Gerade die Verbindung aus jahrhundertealter Kulturlandschaft, aktiver Landwirtschaft, regionaler Lebensmittelproduktion, Biodiversität und vielfältigen Ökosystemleistungen bildet ein besonderes Alleinstellungsmerkmal für das Waldviertel. „Wir freuen uns sehr, dass wir im Besucherzentrum den Schwerpunkt auf Teichwirtschaft legen konnten. Die beiden Auszeichnungen EKS und GIAHS sind eine besondere Chance für die Region Waldviertel, die Zisterzienserlandschaften mit der Teichwirtschaft noch sichtbarer zu machen“, hob Zwettls Bürgermeister Mold das Potenzial der beiden Kulturerbe-Auszeichnungen hervor. „GIAHS trifft EKS“ bedeutet damit vor allem eines: Eine über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft ist nicht nur ein wertvolles Erbe der Vergangenheit – sie ist zugleich ein wichtiger Baustein für die Zukunft des Waldviertels.
Das Besucherzentrum wird unter dem Projekttitel „ATCZ00007 CISTERSCAPES VB-Zw-ZnS“ vom Programm Interreg Österreich-Tschechien gefördert.
Die Berichterstattung erfolgt über den Österreichischen Verband für Fischereiwirtschaft und Aquakultur (ÖVFA) in Kooperation mit dem NÖ Teichwirteverband im Rahmen des Projektes ACFA II (Austria Communicates Fisheries and Aquaculture):